Komplementär: DAS KRAFT-FAHRZEUG - Mobile Installation für den öffentlichen Raum. „komplementär“ ist ein politisches Kunstwerk. „Politisch“, da es sich kritisch mit dem Thema „Straßenverkehr in Ballungsräumen“ auseinandersetzt. Es ist ein Kunstwerk in Form einer Installation, in diesem Fall einer mobilen = fahrbaren Installation, die einen neuartigen und ungewöhnlichen Impuls bei der Auseinandersetzung und Diskussion mit den Themen Verkehrsinfarkt, Smog, Fahrrad versus KFZ etc. liefert. „komplementär“ überschreitet bewusst und gezielt sozialisierte Denk- und Verhaltensschemata beim Thema „Wahl und Gebrauch eines Straßenverkehrsmittels“, erzwingt dabei gezielt eine Auseinandersetzung mit dem Thema und erzeugt zugleich eine gehörige Portion Aufmerksamkeit und Humor.„komplementär“ beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen des Verkehrsinfarkt in Ballungsgebieten, Abgasimmission, Platzverbrauch, Geschwindigkeit, Fahrbahnbenutzung und und und. „komplementär“ ist ein Kraft-Fahrzeug und damit ein Fahrzeug, dass im Gegensatz zu den fälschlicherweise „Kraftfahrzeug“ genannten Automobilen statt mit Kraftstoff mit Kraft angetrieben wird, mit Muskelkraft. Komplementär „(von französisch complémentaire „ergänzend“) steht für gegensätzliche, aber sich ergänzende Eigenschaften eines Objekts oder Sachverhalts, siehe `Komplementarität‘ “. Komplementarität „Komplementarität ist ein Begriff der Erkenntnistheorie für zwei (scheinbar) widersprüchliche, einander ausschließende, nicht aufeinander reduzierbare Beschreibungsweisen oder Versuchsanordnungen, die aber in ihrer wechselseitigen Ergänzung zum Verständnis eines Phänomens oder Sachverhaltes im Ganzen notwendig sind.“ Quelle: Wikipedia, 4.3.2019 „komplementär“ ist also auch die mobile Installation „Kraft-Fahrzeug“. Doch was ist das, ein Kraft-Fahrzeug? Es ist -sprachlich streng genommen- ein mit Muskelkraft angetriebenes, einem üblichen Fahrrad ähnliches Fahrzeug im Sinne der Straßenverkehrszulassungsordnung (STVZO). Ein solches Fahrrad muss nicht die Maße eines allseits bekannten Fahrrades mit zwei oder drei Laufrädern aufweisen, es darf und kann im Sinne der STVZO und der Straßenverkehrsordnung (STVO) durchaus auch die Maße eines gewöhnlichen Automobils heutiger Bauart (zB. eines SUV) haben. Dann muss es aufgrund seiner Baumaße wie ein übliches KFZ/Auto die Fahrbahn zum Parken und zum Fahren von Ort zu Ort B nutzen. Ein sprachlich korrekt benanntes Kraft-Fahrzeug besetzt also keinen Motor, denn es wird direkt mit Muskelkraft des/der Fahrzeugführenden angetrieben. Ein Fahrrad auf der Fahrbahn? Zum Fahren und Parken am Fahrbahnrad? Das lässt stutzig werden, ist es doch heutzutage nicht üblich mit einem Fahrrad von einem Radweg auf die Fahrbahn zu wechseln, ist doch die Ansicht ein Fahrrad habe auf einer Fahrbahn nichts zu suchen und gehöre auf einen Radweg, nach wie vor herrschend. Das jedoch ist falsch, auch aus Sicht der geltenden STVZO und der StVO. Um den inneren Gedankengang für „komplementär“ darzulegen, erkläre ich  diesen folgend anhand der geltenden Rechtsstatuten: - der StVO (zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 6.  Oktober 2017 (BGBl. I S. 3549) - der STVZO (Straßenverkehrs-Zulassungsordnung, zuletzt geändert durch  Artikel 1 V. v. 20.10.2017 BGBl. I S. 3723 - den VwV-STVO (Verwaltungsvorschriften zur StVO, in der Fassung vom 22.  Mai 2017 (BAnz AT 29.05.2017 B8) ) Erklärungen und Begriffsklärungen sowie zum Rechtsstand dem in der StVO verwendeten Begriff „Fahrzeug“ und der Nutzung der Fahrbahn von  Fahrzeugen Bei der Verwendung des Begriffs „Automobil“ dürfte jedem/r darüber  reflektierenden unmittelbar klar werden, dass der Begriff zutiefst  irreführend, ja sogar sachlich vollkommen falsch ist und einen völlig  unreflektierten Umgang mit diesem Gefährt erzeugt. Denn das uns allen  als „Automobil“ bekannte Kraftfahrzeug = KFZ ist alles andere als auto  mobil, ein Selbst-Fahrer, ein selbst fahrendes Objekt. Es muss gefahren  werden! Und dieses durch eine es fahrende, also bedienende Person.  Ferner benötigt es Treibstoff, einen Kraftstoff wie zB. Benzin, Gas,  Diesel, Strom oder Wasserstoff. Ein Automobil ist folglich a) kein selbst fahrendes Fahrzeug und b) auch kein Kraftfahrzeug. Denn es wird nicht mit Kraft, sondern mit  Kraftstoff angetrieben. Die für den Vorschub benötigte Kraft ist  ursächlich durch den wie auch immer gearteten Kraftstoff erzeugt. Damit ist ein „KFZ“ richtigerweise nur als ein Kraftstofffahrzeug zu  benennen, also ein „KSFZ“. Was aber nun ist dann ein Kraft-Fahrzeug? Es ist ein direkt, ohne Motor als Zwischenorgan, mit Kraft = Muskelkraft  angetriebenes und damit gefahrenes Fahrzeug. Ganz einfach: Jedes  direkt, ohne Motor und Kraftstoff in Bewegung gesetztes Fahrzeug. Also  ein gewöhnliches Fahrrad. Größe und Bauform spielen hier keine Rolle.  Und wenn nun ein Kraft-Fahrzeug, also ein Fahrrad, die Größe eines  gewöhnlichen Kraftstofffahrzeuges zB. eines SUV bekommt? Und daher stets  zum Fahren und Parken die Fahrbahn oder die Parkflächen nutzt, sogar  aufgrund seiner Größe benutzen muss? Weil es nicht auf Radwege oder  Geh/Radwege passt? Weil es für Radwege zu breit ist? Dann zeigt sich Komplementarität, nämlich „gegensätzliche, aber sich  ergänzenden Eigenschaften eines Objekts oder Sachverhalts“. Jene, des sich Beteiligens am öffentlichen Straßenverkehr mit sich  scheinbar als Kontrahenten gegenüberstehenden Fahrzeugbeschaffenheiten. Die verschiedenen Eigenschaften der beiden Fahrzeuge Kraft-Fahrzeug und  Kraftstofffahrzeug erscheinen lediglich als miteinander unvereinbar,  völlig gegensätzlich. Dies sind sie aber nicht! Sie bedingen einander,  denn beide sind Fahrzeuge im Sinne des Themas „Fahren im öffentlichen  Straßenverkehr von Ort A zu Ort B für einen bestimmten Zweck“. Sie  gleichen sich im Sinne der Rechtsstatuten, beide dienen dem Zweck der  Fortbewegung von Personen oder sogar dem Transport von Gütern. Sie  unterscheiden sich lediglich in der Form des Antriebs. Und sie ergänzen sich, denn beide Fahrzeugarten sind im öffentlichen  Straßenverkehr zugelassen und nutzbar. Mit „komplementär“ weise ich auf öffentlichkeitswirksame Weise darauf hin, dass Fahrräder jeglicher Bauform zu K(S)FZ gleichberechtigte und gleichwertige Fahrzeuge im Sinne der STVO und STVZO sind. Und zugleich trägt „komplementär“ pointiert und humorvoll zur immer aktueller werdenden Diskussion über Straßenverkehr bei. „komplementär“ legt erfahrungs- und erlebnisbezogen ungerechtfertigte Alleinvertretungsansprüche der Auto fahrenden für die Fahrbahn offen. Zudem erzeugt es bewusst Entschleunigung und eine „Verkehsberuhigung von vorne“. Mit „komplementär“ verlässt Kunst den musealen Raum. Denn Kunst hat überall ihren Platz, Bedeutung und gesellschaftliche Verpflichtung. Kunst muss gesellschaftliche Themen aufnehmen, sie behandeln und mit ihnen agieren. Kunst muss Antworten geben und das Stellen von Fragen sowie gesellschaftliche Diskussionen anregen. Und natürlich will „komplementär“ auch polarisieren und aufrütteln. Was sagen aber nun StVO, StVZO und VwV-StVO zu „komplementär“? Ist es auch rechtlich erlaubt, mit meinem Kraftfahrzeug die Fahrbahn zu  benutzen? JA, das ist es, außer des ist durch Extra-Hinweisschilder ausdrücklich  untersagt. Ich zitiere aus der neusten und derzeit geltenden STVO für die  Bundesrepublik Deutschland „§2 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge (1) Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, von zwei Fahrbahnen die  rechte. Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der Fahrbahn. (…) (4) Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden;  nebeneinander darf nur gefahren werden, wenn dadurch der Verkehr nicht  behindert wird. Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu  benutzen, besteht nur, wenn dies durch Zeichen 237, 240 oder 241  angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241  dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241  dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehende  Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ angezeigt ist. Wer mit dem Rad fährt,  darf ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden  sind und zu Fuß Gehende nicht behindert werden. Außerhalb geschlossener  Ortschaften darf man mit Mofas und E-Bikes Radwege benutzen. (…).“ Die STVO spricht in § 2, Satz 1. von „Fahrzeugen“, sie differenziert  also nicht zwischen Muskel betriebenen und Kraftstoff betriebenen  Fahrzeugen. Das heißt, dass § 2 gleichbedeutend für  Kraftstoff-Fahrzeuge und Kraft-Fahrzeuge gilt. Ich zitiere: (Quelle:  http://www.iww.de/va/archiv/straf-und-owirechtstrassenverkehrsrechtliche-grundbegriffe-f41040,  1.5.2018 1. Begriff des Fahrzeugs Der Begriff „Fahrzeug“ wird in § 315c StGB und in § 316 StGB verwandt.  Fahrzeuge i.S. dieser Vorschriften sind – anders als in § 69 Abs. 1 StGB  – nicht nur Kfz, sondern alle Fahrzeuge, die zur Beförderung von  Personen oder Sachen dienen und am Verkehr auf der Straße teilnehmen  (Schönke/Schröder/Cramer, StGB, 26. Aufl., § 315c Rn. 5). Erfasst werden  alle Verkehrsarten einschließlich des Eisenbahn-, Schiffs- und  Luftverkehrs, soweit dieser bodengebunden ist. Dabei ist es letztlich  gleichgültig, ob sich die Fahrzeuge mit eigener Kraft bewegen oder auf  andere Weise fortbewegt werden können. (…).“ Für ein Fahrzeug im Sinne der STVO ist es also unerheblich, ob es mit  Muskelkraft oder mit Kraftstoff seinen Weg auf der Fahrbahn nimmt. Ich zitiere die StVZO: „B. Fahrzeuge I. Zulassung von Fahrzeugen im Allgemeinen § 16 Grundregel  der Zulassung (1) Zum Verkehr auf öffentlichen Straßen sind alle Fahrzeuge zugelassen,  die den Vorschriften dieser Verordnung und der Straßenverkehrs-Ordnung  entsprechen, soweit nicht für die Zulassung einzelner Fahrzeugarten ein  Erlaubnisverfahren vorgeschrieben ist. (...)“ Und § 63 a: (1) Ein Fahrrad ist ein Fahrzeug mit mindestens zwei Rädern, das  ausschließlich durch die Muskelkraft auf ihm befindlicher Personen mit  Hilfe von Pedalen oder Handkurbeln angetrieben wird. (…)“ Zusammenfassend ist ein Kraft-Fahrzeug meiner Art also problemlos für  das Fahren und Parken auf der Fahrbahn oder dem Fahrbahnrand zur  Benutzung zugelassen. DAS KRAFT-FAHRZEUG „komplementär“ Ein rein von Muskelkraft angetriebenes und damit auf Straßen und Wegen fahrbares Gefährt mit dem Außenmaßen eines allgemein bekannten und gewöhnlichen Automobils. Angetrieben wird es von vier Personen. Für jede dieser vier Personen ist ein vom Fahrrad bekanntes Antriebssystem „Tretlager-Welle, Kettenrad, Kette, Zahnrad, Antriebsnabe und Laufrad“ vorhanden. Das Kraft-Fahrzeug weist alle in der StVZO geforderten Ausstattungsmerkmale auf: – Licht und Seiten- / Rückstrahler (§66a StVZO) – 2 unabhängig voneinander tätige Bremsen (§ 65 StVZO) – Klingel (§ 64a StVZO) auf.. – Einhalten der in der STVZO zulässigen maximalen Außenmaße, insbesondere der max. Breite von 2,55 m (§ 32 STVZO) Zudem erfüllt es die Bedingung, dass der Fahrzeugführer das Kraft-Fahrzeug jederzeit allein und ohne die Mithilfe der Mitfahrenden zum Stand bringen kann. Im Raum zwischen den Personen befindet sich eine Ladefläche zur Aufnahme jeglichen Gutes und diverser Ladungen. Denn ein Fahrzeug soll schließlich auch Dinge transportieren können. Zusätzlich weist das Kraft-Fahrzeug eine handelsübliche Anhängerkupplung auf. Das Kraft-Fahrzeug kann somit auch einen Anhänger ziehen. komplementär Das Kraft – Fahrzeug Mobile Installation für den öffentlichen Raum Stahlrohr, Aluminiumblech, Kunststoff, Gummi, Fahrradtechnik 200 x 120 x 390 cm © Michael Olsen, 2019, Oldenburg www.kraft-fahrzeug.de Michael Olsen Arp-Schnitger-Str. 6 D-26121 Oldenburg 0177 4334616 www.kunstbauten.de m.olsen@kunstbauten.de Gefördert aus dem Kulturfond der Stadt Oldenburg, 2018
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